In diesem Jahr ist alles anders.

Die Corona-Krise hat unser Land und die ganze Welt nach wie vor fest im Griff. Gewissheiten, die uns sonst tragen, sind weggebrochen. Was trägt jetzt?  Wer trägt uns?

In dieser besonderen Zeit laden wir Euch/Sie ein, sich auf einen besonderen Weg einzulassen. Wir freuen uns, dass ihr euch/Sie sich in der Karwoche die Zeit nehmen, um diesen Kreuzweg mitzugehen. Bewusst stellen wir die gegenwärtige Krise in den Mittelpunkt der Betrachtungen.

Natürlich sollen darüber hinaus aber auch persönliche und allgemeine Anliegen ihren Platz finden. Die Texte und Lieder sind als Anregungen gedacht, um in Berührung zu kommen mit dem „Kreuz-“Weg Jesu.  Und mit dem, der uns trägt – gerade jetzt.

Natürlich sollen darüber hinaus aber auch persönliche und allgemeine Anliegen ihren Platz finden. Die Texte und Lieder sind als Anregungen gedacht, um in Berührung zu kommen mit dem „Kreuz-“Weg Jesu.  Und mit dem, der uns trägt – gerade jetzt.

Wir beginnen unseren gemeinsamen Weg: Im Namen des Vaters, des Sohne und des Heiligen Geistes.

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. (Joh 19,17)

„Trotzdem JA sagen

Jesus nimmt die Last des Kreuzes auf sich. In diesen Zeiten tragen viele Menschen besondere Lasten. Gemeinschaft und Miteinander Geselligkeit und kleine alltägliche Freuden fallen weg. Viele Menschen sorgen sich um ihre (berufliche) Existenz. Weltweit bringt die momentane Situation persönliche Sorgen und Ängste, Krisen und Schicksale hervor.

Was belastet mich in der gegenwärtigen Krise? Welche Menschen kenne ich, die daran besonders schwer zu tragen haben? Habe auch ich schon jemandem „ein Kreuz“ aufgeladen“? Gibt es Situationen in meinem Leben, die sich schwer anfühlen?

Herr, Jesus Christus, wir beten:

  • Für alle, für die die Corona-Krise eine existenzielle Bedrohung darstellt.
  • Für alle, die nicht wissen, wie es weitergeht.
  • Für alle, die eine schwere Last schultern, die sie niederdrückt.

Schenke uns allen starke Schultern, damit auch wir die Lasten tragen können.

 „Wenn Hoffnung, Mut und Kraft zerronnen: Wie soll’s weitergehen? Geh mit uns auf unserm Weg.“

Jesus begegnet seiner Mutter.

Jesus trägt sein Kreuz, er geht diesen schweren Weg und seine Mutter Maria steht am Wegrand.  Jesus geht nicht vorüber. Er bleibt stehen und Mutter und Sohn begegnen sich noch einmal. Beziehung innig, ganz nah. Eine tröstliche Begegnung, inmitten des Leids.

„Leben ist Begegnung“

Begegnung, das was sonst normal ist, wird in diesen Corona – Zeiten kostbar. Viele Familien können sich zurzeit nicht treffen.  Beziehungen verändern sich. Für Beziehung braucht es Zeit, Zuwendung, Vertrautheit. Anderen wird die Familie zu eng. Sie     brauchen Abstand, Zeit für sich selbst, eine Pause

Herr, Jesus Christus, wir beten:

  • Für alle, die sich nach der Nähe von Ihren Angehörigen sehnen und für alle, die schon lange von Ihren Familien getrennt sind.
  • Für alle, die unter starken Belastungen leiden.
  • Für alle, die für Ihre Angehörigen – aber auch für Ihre Mitmenschen – einfach nur „da sind“.

„Wo die Liebe und die Güte wohnt, dort nur wohnt der Herr““ (GL 305, 5)

Jesus fällt unter dem Kreuz

„Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen (Jes 53,4)

Straucheln und Fallen. Tiefe Erschöpfung. Jesus niedergedrückt von der Last die er zu tragen hat.

Straucheln und Fallen, das Leiden kommt oft unverhofft, die Krankheit kommt unverhofft. Mit einem Mal reißt sie Menschen aus ihrem Alltag, Ein kleiner Virus kann so viel Macht haben. Die Auswirkungen dringen tief in unseren Alltag. Kindergarten, Schule, Betriebe, Arbeitsplätze, Kultur, Reisen. Die Herausforderungen gehen über unsere Kraft. Stürzen die ganze Welt in eine Krise. So zahlreich sind die Schwierigkeiten.

Was gibt mir Kraft und Hoffnung in diesen Tagen. Wo finde ich Halt. Jesus weiß, was es bedeutet am Boden zu sein, wie schaffe ich es in diesen Momenten meine Beziehung zu ihm aufzubauen. Kann ich sagen: Jesus, wenn ich nicht mehr kann, dann vertraue ich auf deine Hilfe oder ist da nur der hilflose Schrei nach dem „Warum“?

Herr, Jesus Christus, wir beten für die Erkrankten und Trauernden auf der ganzen Welt.

  • Für alle die weltweit medizinische Hilfe leisten.
  • Für alle, die ihren Beruf nicht ausüben können.
  • Für alle die um ihren Arbeitsplatz fürchten.

„Ich seh empor zu den Bergen voller Sehnsucht: Wo ist Hilfe?“ (GL 847)

Simon hilft Jesus das Kreuz tragen

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage. (Lk 23,26)

Jesus und Simon. Inmitten des Leidens eine Geste der Solidarität.

„Einer trage des Anderen Last“

In unseren Krankenhäusern setzen sich Menschen für andere ein, bis zur eigenen Erschöpfung. Sie tragen das Kreuz ein Stück weit mit.

Wo erlebst du in diesen Tagen Solidarität und Geschwisterlichkeit? Gibt es Menschen, die dein Kreuz mittragen? Trägst du ein Kreuz mit?

Herr, Jesus Christus, wir beten:

  • Für alle, die an Covid-19 oder an anderen Krankheiten leiden.
  • Für alle, die sich als Ärzte und PflegerInnen für sie einsetzen und unser Gesundheitssystem aufrechterhalten.
  • Für alle die zuhören, trösten und begleiten, die Hilfe organisieren und sich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft einsetzen. Amen.

„Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.“ (GL 458)

Jesus wird seiner Kleider beraubt

So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. (Joh 17)

„Bloß gestellt „– ein Akt der Entwürdigung. Der Mensch, dem sein Ansehen und seine Rechte genommen werden.

Die Krise fragt nach der Würde des Menschen, in seiner Schwäche, in seiner Krankheit, in seinem Sterben. Sie fragt nach den Regeln einer Gesellschaft im Ausnahmezustand. Wieviel Menschlichkeit ist möglich, wie viele Freiheit nötig, welche Rechte sind verhandelbar?

Herr, Jesus Christus, wir beten:

Für alle, die sich um Menschlichkeit in der Krise bemühen.

  • Für alle, die sich um die Würde der Kranken und Sterbenden auf den Intensivstationen kümmern.
  • Für alle, die für die öffentliche Ordnung Sorge tragen.
  • Für alle, die einen weiten Blick für die Gerechtigkeit haben.

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns (GL436)

Jesus stirbt am Kreuz 

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. (Lk 23,44-46)

Was bleibt ist die Liebe“

Die Endgültigkeit des Todes. Nach dem Leiden kommt die Stille. Die Schwelle ist überschritten. Das Dunkel nimmt die Verstorbenen auf. Die Lebenden bleiben zurück.

So viele sind in den letzten Monaten gestorben. So viele Opfer sind zu beklagen. Es bleiben die Erinnerung, das Gedenken und das Gebet. Es bleibt die Hoffnung auf die Erlösung, die Zuversicht der Glaubenden an die Auferstehung

Herr Jesus Christus, wir beten:

Für die Verstorbenen der Corona Zeit.

  • Für die Toten der Kriege und des Terrors.
  • Für alle, Verstorbenen unserer Gemeinde.
  • Für die Angehörigen und Freunde, die um ihre Toten trauern.

Wir glauben: Dein Tod ist für uns das Tor zu einem neuen Leben. Wir vertrauen darauf, dass Ostern werden wird, „weil Ostern niemals ausfällt.“ Lass diese Hoffnung zum tragenden Grund unseres Lebens werden.  

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht. Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht (GL 365)


Wir sind am Ende des Kreuzwegs angekommen. In die Betrachtung des Leidens Jesu haben wir die leidvollen Erfahrungen unserer Zeit hineingelegt. Im Gebet für die Menschen in der Zeit der Corona- Krise haben wir uns an Christus gewandt und sie alle und uns seiner Begleitung und Fürsorge anvertraut. Das Gebet kann uns ermutigen, für uns selbst, unsere Angehörigen, unsere Gemeinde und unsere Nächsten das zu tun, was notwendig ist.

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Gesegnet sei, dein Weg, Tag, Tag für Tag, Schritt für Schritt.
Gesegnet sei, was dir gelingt und wo du versagst.
Gesegnet seien die Menschen, die dich glücklich machen.
Gesegnet seien, die Menschen, die dir Steine in den Weg legen.
Gesegnet sei deine Arbeit und deine Ruhe.
Gesegnet sei dein Weg, Tag für Tag, Schritt für Schritt.
Gehe deinen Weg in Frieden, Gott geht mit dir.
Silvia Boch

Treu Kolping

das Vorstandsteam